Dienstag, 12. April 2011

DIE SEHNSUCHT IST ES NACH DEM HEIL

Die Frist ist um.
Und abermals vergangen sind sieben Jahr.
 Die haarigen Affen haben im Limbus das Ruder übernommen. 
Die Tischlerei ist zum Geister-Schiff geworden.
Nach dem Kreuzzug-Tod ihres Mannes gründet Elisabeth
ein Siechen-Haus und wird heilig gesprochen.
Zwischen den Betten liegen tote Tiefland-Hunde.
Unter den ewigen Klängen des Pilgerchors
gehen die Wiedergänger im Büsser-Hemd ihren schweren Gang.
Drei Beamer belichten die Szenerie.
Von der Hl.Elisabeth wiedererweckt, wird die nackte Venus, im Pelz, zu Arabella und reicht allen Dürstenden das Wasser.
Klytämnestra nimmt ihre Schlaf-Tabletten ein.
Die Limbus-Zeit nimmt ihren Lauf.
Gnadenlose Ohr-Würmer nagen an den Un-Toten.
Der kahlköpfige Samson erhebt sich als erster von seiner Bettstatt.
Ein Germania-Ohr-Wurm ruft in ihm die Stimme des Pastors wach:
MEIN SOHN WURDE GEBOREN MIT DER BESTIMMUNG
ZUM TRAGISCHEN TOD ER HATTE DAS BLONDE HAAR
DER ERZENGEL ER HATTE DIE KRAFT DER VATERLANDS
LIEBE DIE AUS KINDERN HELDEN MACHT
Auch der Tristan-Hirte meldet sich zu Wort.
Plötzlich ergreift ihn der Geist Cauchons aus der Johanna:
JA SO HETZT MAN DIE SEELEN BIS SIE AM END DEN HALT VERLIEREN UND KAPITULIEREN
Ping aus der Turandot mutiert zu Moruccio aus dem Tiefland:
AN DER OFFENEN KIRCHENTÜRE
WARTET SCHON DIE BRAUT
Der Steuermann des Holländers beschwört den Südwind.
Der Geist Züngls aus dem Traumgörge benutzt ihn als Klang-Körper.
Von freudscher Todes-Sehnsucht ergriffen, nimmt Moruccio den
Strick und geht zur Laufkatze. Wie von Geisterhand 
(deus ex machina) senkt sich der Haken auf Arbeitshöhe. Moruccio/Ping/Papageno befestigt den Strang, steckt den Kopf
durch die Schlinge und.... nichts passiert.
Mit hängendem Kopf schleicht er zurück zum Bett.
Der Pilgerchor rettet die peinliche Situation.
Angeführt vom Hl.Michael und zwei Wurm-Damen versammeln sich alle Nichtsänger zur Großen Bitt-Prozession auf der 
via purgativa.
Sankt Max (Freischütz) und der Rosa Zuhälter (Traumgörge) tragen
den Altar des Gekreuzigten (Cavalleria). Die Hl.Margarete mit
Ganesha-Maske, die Rauchende Madonna (Trittico),
der Erzbischof von Reims (Johanna), die Novizin (Marie-Victoire)
mit dem Kopf einer Blondine, Penelope (Odyssee-Ein Atemzug),
Agamemnon (Cassandra/Elektra). Wolfram (Tannhäuser) und Hans (Traumgörge) führen das Riesen-Bambi (Johanna) mit.
Einer der Limbus-Affen nimmt den toten Freischütz-Adler und führt mit ihm einen Affen-Adler-Tanz (Aus einem Totenhaus) auf. 
Die Hl.Elisabeth bringt anschließend das tote Tier ins Venus-Bett.
Die Raben-Mutter (Trittico) durchquert den Innen-Limbus und lässt den Kinderwagen allein zurück.
Agamemnon geht zum Großen Herzen, benetzt sein Gesicht mit Herzblut, das zuvor von Sankt Emilija dort abgestellt wurde, nimmt
aus dem Kinderwagen das gehäutete Opfertier (Cassandra/Elektra)
und legt es seiner Frau Klytämnestra ins Bett. 
Die erwacht und berichtet uns von ihren schlechten Träumen.
Inzwischen klauen die Affen das Opfertier (Iphigenie) und hängen es an die Laufkatze.
Mehrere Nichtsänger sprechen einzelne Über-Texte die den Tischlerei-Limbus-Boden bedecken.
Plötzlich tönt aus den Lautsprechern: MORIRE PER LA PATRIA.
Wolfram, im Outfit eines napoleonischen Soldaten, führt die
Germania (Germania) auf einem geharnischten Tannhäuser-Pferd
um die Gruppe, die immer wieder in Hurra-Patriotismus ausbricht.
Der Tastendienst beginnt vierhändig Samson und Dalila zu spielen.
Die drei Affen wärmen sich am Großen Herzen (in Wirklichkeit halten sie es fest). Arabella, jetzt wieder die Nackte Venus, besteigt das Herz und wird durch rotes Licht zur Johanna auf dem Scheiterhaufen. Nach dem Flammentod wird sie von der Hl.Elisabeth wieder in das Venus-Bett gelegt und mit der blonden Perücke zugedeckt. Plötzlich bricht es aus Sankt Emilija hervor: WIR HABEN EINE HEILIGE VERBRANNT 
Unter dem hängenden Opfertier hat Sankt Max Blut geleckt. Jetzt ist er auf der Pirsch durch den Limbus. Nach der Samson-Musik löst sich ein Schuss, der den Jägerchor (Freischütz) auslöst. Ein Affe nimmt einen Menschenknochen, springt auf den Sarg (Tristan) und dirigiert. Der Hl. Michael überreicht dem zweiten Affen das Ritual-Schwert, der damit den Affen-Dirigenten vom Sockel stösst.
Nun weiss man auch, woher der Probeschuß eigentlich rührt. 
In Siegerpose, auf das Ritual-Schwert gestützt nimmt er nun seinen Platz auf dem Sarg ein.
 Gelöste Heiterkeit breitet sich im Limbus aus, wenn unmittelbar danach Sonnambula, von Zerbinetta begleitet ihre Belcanto-Arie singt.
Doch der unerbittliche Pilgerchor gemahnt unsere Unerlösten an die ewige Wiederkehr des gleichen Rituals. Als gute zeremonielle Tiere (Thomas Macho) begeben sie sich erneut in Position.
Bernd Damovsky